Sind unterwegs nach Mariannelund

„Ich bin schon wieder zu schnell“… dieser Satz wird mein bevorzugtes Vokabular heute. Geschwindigkeitsüberschreitungen werden in Schweden empfindlich geahndet. Ab 1 km/h ist man schon mit 250,- Euro dabei. Ich bin bestimmt kein Raser, obwohl ich in Deutschland auch schon das ein oder andere Mal geblitzt wurde. Auch einer generellen Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Straßen und Autobahnen sehen ich nicht mit Schrecken entgegen. Aber immer langsamer fahren als man darf, stresst wirklich und ist echt anstrengend.

Sind unterwegs nach Dnulennairam

In Deutschland hat man zumindest noch etwas Toleranzspielraum. Die kleinsten Anhöhen und das geringste Gefälle zwingen einem zur Gas- und Bremskorrektur. Und die ständige Suche nach Verkehrsschildern und Blitzern lassen das Fahren nur verkrampft und unentspannt zu. Alle paar Kilometer fahre ich rechts ran um die Einheimischen vorbei zu lassen. Überholen geht hier nicht. Auf den meisten Streckenabschnitten ist zwischen den Fahrspuren immer eine Leitplanke. In den Gegenverkehr zu gelangen ist hier unmöglich. Eigentlich keine schlechte Idee.

Straßen in Schweden

Überholen kann man hier nur, wenn die Fahrbahn mal für einen bis zwei Kilometer zweispurig wird. Wenn ich so darüber nachdenke, machen die Schweden das besser als wir. Der schlimmste Raser und Drängler wird zur Besonnenheit erzogen. Keine riskanten Überholmanöver, keine Raserei wie ich es in Deutschland ständig erlebe. Man kann nur hinterher fahren. Punkt. Nicht das die Schweden schnell fahren wollen, aber sie wollen halt immer die entscheidenden 5 km/h schneller fahren als ich. So bremse ich immer mal 3-5 PKW aus, die ich dann vorbei lasse. Und das ganze 4 Stunden und 350 km lang. Soweit ist es von unserem ersten Quartier bis nach Mariannelund.

Nicht viel los auf den Straßen

Heute Morgen gleich die erste Hiobsbotschaft: die Batterie hat zu wenig Spannung und die Kühlbox bleibt aus. Strom verstehe ich einfach nicht. Zuhause lief das Ding tagelang. Also brauchen wir am zweiten Tag schon Strom mit einem Campingplatz. Wir buchen von heute auf morgen einen Platz in der Nähe von Mariannelund und machen uns auch gleich auf den Weg. Wir sind ausgeruht und geschlafen haben wir gut. So langsam gewöhne ich mich an mein neues mobiles Domizile. Brauche dafür immer etwas Zeit.

Unser Stellplatz

Die 4 Stunden auf der Straße ziehen sich wie Kaugummi. Kilometer um Kilometer immer gerade aus durch Wälder und an Seen vorbei. Um so öfter wir abbiegen und die Straßen enger und unbedeutender werden, umso mehr nähern wir uns der unberührten Natur. In den 4 Stunden fahren wir durch gerade einmal 3 Ortschaften. Mehr gibt’s hier nicht. Und die Orte sind wie ausgestorben. Kein Mensch auf der Straße. Immer wieder entdecken wir Stellplätze die wir zum Wildcampen nutzen könnten, aber wir brauchen ja diesen blöden Strom. Mein Lappi ist auch fast leer und das Kabel für die 12 Volt Steckdose liegt ja Zuhause auf der Fensterbank. Es ist zum Mäuse melken… Ärgerlich.

Campingplatz in Schweden

Der Campingplatz liegt dann mal schön gelegen im Wald an einem See. Ich suche mir schon mal die passenden Vokabeln raus um problemlos einzuchecken. Aber das Problem liegt nicht an meinem Wortschatz, sondern an dem Kauderwelsch was der Besitzer redet. Englisch mit schwedischen Akzent oder umgekehrt. Als ich ihn bitte „slo-mo“ zu reden, spricht er plötzlich deutsch. Geht doch. Der Herr ist einer von der mürrischen Sorte. Verzieht keine Miene. Man, was ist mit dem Mann los? Komme mir vor als würde ich stören. Er deutet uns an um den Platz zu fahren, er würde oben auf uns warten. Und weg war er.

Ich fahre also etwas zügiger um ihn wieder zu finden. Auf einmal steht er mit erhobener Hand vor uns und bremst uns aus. Sind wir falsch gefahren, frage ich mich? Ich kurbel das Fenster runter und er kommt mit erhobenen Zeigefinger und verbissener Miene, noch mürrischer als eingangs beschrieben, auf uns zu. Wie ein zwölfjähriger Junge werde ich nun gemaßregelt hier nicht so schnell zu fahren. Hier spielen Kinder und die Menschen wollen sich erholen, und am Eingang steht ein Schild das auf die 10 km/h Beschränkung hinweist. Ich nicke verständnisvoll und eingeschüchtert ab. Meine Laune ist im Keller. Als wenn ich das nicht wüsste. Aber recht hat er. Zum diskutieren fehlen mir eh die Sprachkenntnisse.

Landschaft mit See in Schweden

Jetzt bekommen wir endlich unseren Platz zugewiesen. Wir entscheiden uns das Vorzelt im Auto zu lassen. Das Wetter ist sonnig und ein Vorzelt brauchen wir heute nicht. Vermutlich nehmen wir es verpackt wieder mit nach Hause. Eigentlich ein wirklich schöner Campingplatz. Mitten im Wald gelegen und mit angrenzenden See. Alles ordentlich und sauber. Hier herrscht Ordnung. Ich krame unser Schlauchboot raus und schmeiße die Akkupumpe an. Ganz schön laut in dieser disziplinierten Stille des Campingplatzes. Ich warte nur darauf das einer um die Ecke kommt und wieder den Finger hebt. 15 Minuten später ist aber wieder Ruhe und das Boot steht in seiner vollen Pracht da. Länger dauert das pumpen nicht.

Aber erstmal wird gegessen. Wir wühlen das Geschirr und Töpfe aus den Tiefen unserer Unordnung und fangen an zu schnippeln und zu brutzeln. Nachdem wir uns den Bauch voll geschlagen haben ging es runter zum See. Ich sehe uns schon patschnass mit dem Boot kämpfen, aber wir kommen trocken und ohne Verrenkungen ins Boot und paddeln raus. Das war einer der Wünsche den wir hatten, oder besser Ilona hatte. In Schweden auf einem See im Wald mit dem eigenen Schlauchboot raus paddeln. Das hat auch echt mal Spaß gemacht. Sehr zu empfehlen. Danach sitzen wir noch einige Stunden vorm Bus und schauen über den See. Gegen 23.00 Uhr verkriechen wir uns in den Bus auf unser Schlafgemach. Morgen geht’s weiter.

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