Bodensee Radtour – Sechste Etappe

Von Allensbach nach Überlingen

Der Berg ruft. Laut Google Maps geht es heute nur bergauf. Ich darf gar nicht dran denken. Eigentlich sollte unsere heutige Etappe nach Bodmann-Ludwigshafen gehen. Aber ich habe ehrlich gesagt keinen Bock mehr.

…sind unterwegs nach Überlingen

Meine Beine brennen und mein Hintern will sich einfach nicht beruhigen. Gut das ich den nicht sehen kann. Der ist bestimmt blau. Mangelnde Körperpflege und den ganzen Tag schwitzen und abkämpfen ist einfach nichts für mich. Sportler werde ich nie. Ich, eigentlich alle, brauchen einen Tag Ruhe.


Also streichen wir eine Etappe und setzen mit der Fähre über nach Überlingen. Aber um da erstmal hinzukommen müssen wir über den Berg. Kaum vom Campingplatz weg, also 300 Meter, da steige ich schon das erste Mal ab und schiebe. Obwohl die Höhenmeter nicht so gewaltig sind, und wir schon öfter schieben mussten, komme ich einfach nicht mehr auf mein Muli. 5 Kilometer geht es nur bergauf und ich schiebe. Nichts im Bauch. Ständig halte ich an und saufe den Mädels das Wasser weg. Doch wo es hoch geht, geht es auch wieder bergab. Oben angekommen geht es bis zur Fähre nur noch runter. Und ich brauche nicht mehr treten.

Chillen statt Radeln

Um mit dem Hänger auf die Fähre zu kommen, muss einer der Fährmänner mit anpacken. Sehr nett hier alle. Wir schippern rüber und kommen an der überfüllten Strandpromenade an. Erstmal raus aus dem Gewühl. Wir parken unsere Fahrräder und setzen uns ins nächstbeste Lokal. Es ist kurz vor zwölf und wir haben immer noch einen leeren Magen. Nur eine Kleinigkeit essen und einen Morgen-Kaffee den wir immer noch nicht hatten. Wir studieren die Mittagskarte. Hört sich alles sehr lecker an. Dann findet unsere Jüngste mein geliebtes Kalbsschnitzel auf der Karte. Deswegen bin ich eigentlich an den Bodensee gekommen. Jetzt oder nie. Ilona will das auch.

Lecker Frühstück

Also Kaffee, Cola und jeder ein Schnitzel. Als das Essen kommt fallen wir fast vom Stuhl. So groß war unser Hunger nun doch nicht. Und das zum Frühstück. Jeder zwei fette Schnitzel und einen riesen Berg Bratkartoffeln, pro Teller. Die Baden Würtenberger scheinen großen Appetit zu haben. Ilona schafft nicht alles und ich drehe mir die letzten Reste noch rein. Ich bin so satt das mir schwindelig wird. Ich glaube mein Kreislauf schwächelt. Zu satt, zu viel Sonne, zu abgekämpft. Die letzten Tage scheinen an meiner Gesundheit zu zehren.

Die letzten 5 Kilometer werden für mich zur Tortur. Ich habe Durst, aber bin zu satt zum Trinken. Ich schicke Stoßgebete zum Himmel das der letzte Campingplatz unserer Bodensee Tour auch schön ist. Schließlich wollen wir hier zwei Tage entspannen. Die Mädels sind schon fast da und ich strampele mit sagenhaften 5 km/h hinterher. Mit letzter Kraft erreiche ich das heutige Ziel. Die Mädels warten schon auf mich.

Der Campingplatz ist klein und kuschelig. Nicht neu aber sauber. Ruhig, mit direktem Zugang zum Wasser. Und der Stellplatz, den man uns zeigt, liegt direkt am See unter zwei großen Bäumen die Schatten spenden. Frischwasser und Strom auch direkt neben uns. Ich kann es kaum fassen. Meine Stoßgebete wurden erhört. Die Besitzer sind sehr nett und wir plaudern beim Einchecken über unsere Tour. Es gibt hier kein Brötchenservice oder Frühstücksservice und keinen Kiosk. Nur kalte Getränke und Eis. Eine Dusche mit heißem Wasser kostet 50 Cent. Ich bin gern bereit dafür zu zahlen. Scheint auch keine Seltenheit zu sein. Wusste ich aber vorher nicht.

Wir bauen also unser Zelt Richtung See auf. Vor uns nur Schilf, Wasser und der Horizont. Ilona stellt die Stühle auf und macht uns einen Kaffee. Ich setze mich hin und komme zur Ruhe. Ich glaube das erste Mal seit unserer Abfahrt vor 7 Tagen. Sicher hatten wir ruhige und entspannte Stunden, aber diese absolute Ruhe und Gelassenheit verspürte ich erst jetzt. Was haben wir uns die letzten Tage abgekämpft. Auch wenn wir noch nicht ganz am Ziel sind, für mich ist das hier der gefühlte Abschluss. Unser letztes Ziel.


Wir hatten schöne Momente und Zeiten in denen wir es gehasst haben und nur noch nach Hause wollten. Regen, Hitze, Durst, Hunger, brennende Beine, schmerzender Hintern, Erschöpfung.

Mich überfällt ein Gefühl der absoluten Freude und Dankbarkeit. Ich kann es kaum glauben so emotional zu werden. Dieser Weg war mein persönlicher Jakobsweg. Der beste Urlaub den ich je hatte. Kein Tag verschenkt. Jeder Tag ein Erlebnis. Ich glaube ich habe das erste Mal in meinen Leben jeden Tag wirklich genutzt. 

Nachdem ich nun genug rumgeheult hatte, sprangen wir alle drei ins Wasser und kühlten uns ab. Wir sitzen in der Sonne und wärmen uns wieder auf. Danach bekomme ich endlich meine mit Sehnsucht erwartete Dusche. Wir radeln noch einmal kurz zum nächsten Kaufland und decken uns mit Brot, Käse, frischen Gemüse und Obst ein. Zum Abendbrot holen wir uns noch zwei eiskalte Radler und genießen unser Essen vorm Zelt. Endlich mal wieder eine Scheibe Brot. Wusste gar nicht, dass ich das so vermissen kann.

Mal was anderes als Fleisch

Bis in die Nacht bleibe ich mit Ilona vorm Zelt sitzen und wie schauen auf das glitzernde Wasser und die funkelnden Lichter am anderen Ufer. Es ist sternenklar. Wir reden über die Ereignisse der vergangenen Tage und lachen Tränen. Was für eine Reise!

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Dirk schreibt und textet, Ilona segnet ab. ;-)

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